Mayer-Manuskript

F      Dorfkultur und -gebräuche

In der Dorfanlage ist der alte Teil der Siedlung ein Gruppendorf mit geschlossenen Häuserzeilen, aber die neueren Gehöfte liegen aufgelockerter. Der Bauer will sich rühren können, ohne täglich am Nachbar anzustoßen. Das Bauernhaus ist entweder als „einfaches“ Haus oder als Doppelhaus angelegt.

Die Haustüre ist bei beiden in der Vorderfront angebracht. Der nach innen folgende Hausflur geht gerade durch bis zum Treppenaufgang. Beim einfachen Haus sind nur auf einer Seite Zimmer und zwar nach vorn die Wohnstube und dahinter die Küche, während das Doppelhaus auf beiden Seiten des Flures Wohnräume hat.

Auf der einen Seite liegen in der Regel die große Wohnstube und dahinter die Küche, auf der anderen Seite das gute Stübchen oder Stube und dahinter Vorratsraum, oft noch Webkammer genannt nach der einstigen Bestimmung dieses Raumes.

Alle Zugänge sind vom Flur aus. Die Häuser sind alle voll zweistöckig ausgebaut, was seinen Grund in der dadurch erstandenen großen Speicherfläche hat. Die Tagesräume sind im Erdgeschoß, die Schlafzimmer im ersten Stock. Es sind also alle Einfamilienhäuser, in denen nicht leicht eine zweite Familie mit eigener Haushaltung unterzubringen ist, wenn der vorhandene Raum auch ausreichen sollte.

D
ie Häuser sind unterkellert und haben meist schwere Bruchsteingewölbe und sind somit vorzügliche Luftschutzräume, da das Gewölbe auch ein einstürzendes Haus tragen wird. Der Speicherboden ist durch Estrich dauerhaft und ungezieferfrei hergerichtet.

Das Mauerwerk ist sehr massiv; die Mauerstärke beträgt im Keller 55 – 60 cm, in den oberen Geschossen mindestens 50 cm. Ganz Matzen ist aus dem Muschelkalk von „Weißen Stein“ erbaut. Die Beschaffung von Bausand ist besonders schwierig. Entweder wird er vom Wolsfelderberg, Irrel oder sogar von Binsfeld herangeschafft.

Bei Großbauten liefern die Kalkbrenner von Gindorf oder Gransdorf den erforderlichen Kalk. Alte Häuser haben auch Bruchsteinzwischenwände, neuere allerdings nur noch solche von Schwemmsteinen. Die Tragfähigkeit eines Bauernhauses musste so groß sein, dass auf dem Speicherboden unbedenklich einige hundert Zentner Getreide gelagert werden konnten.

A
m Dach wurde nicht gespart. Alle Wohnhäuser haben Schieferdach; desgleichen bei wohlhabenden Bauern auch die Ökonomiegebäude. Andere Ställe und Scheunen tragen Ziegeldächer.

Zuweilen ist die dem Verkehr zugewandte Seite mit Schiefer, die abgekehrte mit Ziegel gedeckt. Das Schieferdach gilt als vornehm und als Beweis für Wohlhabenheit.

Um die letzte Jahrhundertwende war eine üble Ausplünderung der Eifeler Bauernhäuser im Gange. Reiche Städter und sonstige Sammelwütige kamen immer und immer wieder und schwätzten den Leuten alte eichene Truhen, Schreine, Schränke, Uhren, Takenplatten, Zinnwaren und sogar handgewebte gemusterte Bettbezüge ab.

Das war Raub an der Bauernkultur.

Was soll z. B. ein altes Spinnrad in einer Stadtwohnung, deren Inhaber nie spinnen gesehen haben. Das erhaltene wenige Geld konnte niemand retten, und die erhaltenen modernen (?) Möbel hat heute der Wurm gefressen.

Man fragt sich immer wieder: Wie konnte eine solche Geschmacksverirrung und Pietätlosigkeit vorkommen? Da stand in der alten Bauernstube die Wanduhr, die schon 6 bis 8 Geschlechtern gedient hatte. Ihr gehämmertes Ziffernblatt, die schweren Aufziehgewichte und das kunstvoll geschnitzte Eichengehäuse waren allzeit ein Zimmerschmuck dazu.

Es ist lobenswert, dass doch noch einige dieser alten Uhren an ihrem richtigen Platze geblieben sind; so im Haus 2 Sonnen, Nr. 22 Boor und 46 Billen.

Hausmarken oder feststehende Sippenzeichen waren jedenfalls nicht in Gebrauch; denn Schreiber konnten nirgends Anhaltspunkte für deren Vorhandensein feststellen.

Besichtigt wurden alte Möbel, Webstühle, Kraut- und Pökelsteine, Grabsteine u. a.. Lediglich Jahreszahlen und Namen der Eheleute findet man auf verschiedenen Haustürstürzen.

Der Bauerngarten

„Der Bauerngarten ist eine Symphonie“ sagte Peter Kremer. Das trifft für die Hausgärten in Matzen auch zu. Da wechselt das Nützliche mit dem Angenehmen in fast zwangloser Reihenfolge ab.

Den Hauptteil nehmen die notwendigen Gemüse und Gewürze ein. Durchsetzt ist der Garten von Beerensträuchern und Steinobst. In einer Ecke stehen Heilkräuter: Wermut, Pfefferminze, Salbei, Liebstöckel.

An den Pfaden entlang stehen dann Blumen der verschiedensten Arten und Blütezeiten. Am Hausgiebel oder dem Zaun oder der Mauer steht der „Palmbaum“ (Buchsbaum).

Nicht fehlen darf der Holderbusch. Die jungen Triebe davon liefern den Buben Werkstoff für Knallbüchse und Wasserspritze; die Blüten und Beeren finden in der Heilkunde Verwendung. Den mächtigsten Holderbaum sieht man im Garten von Billen (Haus Nr. 46). Er hat 2 Meter Umfang – 1 Meter über der Erde gemessen.

Die Nachbarschaft. Durchweg sind 6 bis 8 Familien, die in unmittelbarer Nähe wohnen, des Hauses Nachbarn. Wohl nirgends tritt die Volksgemeinschaft in schönerer Form auf, wie bei guten Nachbarn. Die Nachbarschaftshilfe geht streng nach alten überlieferten Volksgesetzen.

Bei allen wichtigen Familienereignissen tritt sie selbsttätig ein. Bei Geburten kommt eine Nachbarin und betreut die Wöchnerin und Kind. Wenn nötig, melkt eine andere die Kühe, besorgt die Wäsche usw. .

Am Tauftage gibt´s dafür den großen Kindtaufkaffee.

Bei Hochzeiten und Beerdigungen helfen die Mädchen aus der Nachbarschaft in Küche und Bewirtung aus. Tische, Stühle, Teller, Tassen, Bestecke .... werden nach Bedarf an solchen Tagen zur Verfügung gestellt. Die Nachbarinnen helfen mit Milch, Butter, Eiern, Obst und dergleichen aus.

Kommt jemand zum Sterben, so wird rechtzeitig die Nachbarschaft verständigt. Der dann folgende letzte Besuch ist für jeden guten Nachbarn ein schwerer Gang, aber eine unumstößliche Pflicht.

Nach dem Tode bis zum Beerdigungstage versammelt sich die ganze Nachbarschaft alle Abende im Sterbehause zu gemeinsamem Gebete. Zwei Burschen tun das Amt des Todesgräbers. Vier oder sechs Nachbarn tragen den Toten zum Grabe.

Alle diese Hilfe bietet den Trauerleuten eine große Erleichterung und doch braucht niemand sie umsonst zu tun; denn der umgekehrte Fall tritt früher oder später ja doch ein.

Auch bei vielerlei anderen Anlässen findet man den Nachbarn bereit. Kein Bauer ließe sich in noch so später Nachtstunde zweimal in den Stall des Nachbarn rufen.

Sie beleihen sich gegenseitig mit Geräten, Maschinen, Gespann und Arbeitskräften. Ja, sogar Brot und Sauerteig wird bei der Nachbarin geliehen, wenn man einmal zu kurz kommt.

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten, und „niemand kann in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“. Meist ist die erste Störung des guten Einvernehmens eine Kleinigkeit. Ein Kind, ein Huhn, die Dachtraufe ... können schon Anlaß zu Zank sein.

Bei der in der Eifel überall festzustellenden Starrköpfigkeit bauscht so ein kleiner Zank sich leicht auf zu dauerndem Streit, und immer neue Fälle treten hinzu, bis beide sich vor Gericht treffen. Dort wird zuweilen durch die Umsicht des Richters zwar ein Vergleich zustande kommen, aber es dauert oft noch lange, bis das alte Verhältnis wieder hergestellt ist.

Solche trübe Auswirkungen des benachbarten Wohnens sind in letzten Jahrzehnten immer seltener geworden.

 * * *

E.     Im Weltenbrand  

Ereignisse von der Größe und Furchtbarkeit wie der gegenwärtige Krieg werfen ihre Schatten schon voraus und gehen auch an dem kleinsten Dorfe nicht spurlos vorüber. 1937 hielten die Trierer Regimenter ihre Herbstmanöver im Bitburger Raum ab.

Die 13. Kompanie Infanterieregiment 105 mit ihren neuen Infanteriegeschützen lagen in Matzen. Alle Leute nahmen freudig ihre Soldaten ins Quartier und erfreuten sich an der tadellosen Ausstattung der Truppe und ihrem strammen Dienst.

Das ganze Dorf zog hinaus, um Augenzeuge der Erstürmung von Pützhöhe zu sein. Fachmännisch wurde die „Kriegslage“ beurteilt. Noch dachten nur wenige, dass die Zeit kommen werde, wo die Platzpatrone durch scharfe Munition ersetzt werden musste.

1938. Die Lösung der tschechischen Frage drohte schon den Krieg auszulösen. Es sah schon wesentlich ernster aus, als eine Division aus Schlesien hier in der Gegend Quartier bezog und den Grenzschutz übernahm. In Matzen lag eine Batterie Artillerie, die ihre Übungen bis in den halbfertigen Westwall ausdehnte. Alles atmete auf, als die Gefahr gebannt war, und die Truppen wieder abziehen konnten.

Der Westwall, 1937 begonnen, wurde nun mit größter Intensität weitergeführt; denn die ganze Weltlage zeigte klar, dass der Krieg nur aufgeschoben war. Arbeiter aus allen Gauen des Reiches wurden herangeführt und in den Orten oder großen Lagern untergebracht. In Matzen waren jeweils 50 Mann einquartiert. Zunächst waren es Arbeiter aus dem Rheinland, ihnen folgten Hamburger, dann Ostpreußen und zuletzt Sachsen. Mit großen Omnibussen wurden sie täglich zu den Arbeitsstätten bei Irrel, Wallendorf oder Bauler gebracht.

Das waren bewegte Tage in dem sonst so stillen Ort. Die Arbeiter zeigten bei ihrem guten Verdienst durchweg wenig Sparsinn, sondern setzten meistens ihren Lohn nach Abzug des Quartiergeldes in Alkohol um. Eine rühmliche Ausnahme machten die Sachsen.

Im Sommer 1939 waren die Arbeiten zu einem gewissen Abschluß gekommen, wenn auch zur größeren Sicherheit der Wall noch immer weiter ausgebaut und vertieft wurde. Unser Grenzvolk hatte das Gefühl der Sicherheit und trug gern die Unannehmlichkeiten, die durch die Vervielfachung der Menschenzahl und des Verkehrs unvermeidlich waren.

Am 26. August machte der Führer dem polnischen Terror gegen die Deutschen in Polen ein Ende, indem der den Befehl zum Einmarsch in Polen und Danzig befahl.

Am 1. September folgten dann die Kriegserklärungen der beiden großen Westmächte. Der Zweite Weltkrieg, oder vielmehr die Fortsetzung des ersten, hatte begonnen.

Nun zog die wehrfähige Jugend wieder aus, einige, die schon im Weltkrieg mit waren. Alle im Bewusstsein, es geht jetzt wirklich um unseres Volkes Bestand und Freiheit, um den Lebensraum für 100 Millionen Deutsche in dem weder die jüdisch-plutokratischen Machthaber des Westens, noch der Bolschewismus des Ostens Platz haben dürfen.

Es fehlte meist die überschwängliche Begeisterung von 1914, aber alle waren erfüllt von der Notwendigkeit des Kampfes. So stehen sie heute nach fast vier Jahren auf den weiten Schlachtfeldern oder auf Wacht an Europas Grenzen.

Mehr als 70 Mann standen bei der Fahne. Einige haben das höchste geopfert, ihr Leben; andere waren schwer verwundet, 3 gerieten in Afrika in englische Gefangenschaft, zwei Brüder fochten den Titanenkampf in Stalingrad mit, und wir hoffen, dass das Kriegsglück ihnen günstig war, und sie nach Kriegsende wieder heimkehren können.

Erst nach Kriegsschluss kann dieses Kapitel seinen Abschluss erhalten.

Anmerkung: An dieser Stelle des Manuskripts, auf Seite 115 des Originals, ließ der Autor 10 Seiten frei und schrieb erst auf Seite 125 weiter. Vermutlich wollte er dieses Kapitel nach Kriegsende ergänzen und abschließen. Dazu ist er jedoch nicht mehr gekommen …

B     Blut und Boden

1.      Der Matzener Mensch 

Die Westeifel lockte durch ihre günstigen Bedingungen zu sehr früher Besiedlung. Manche Funde zeugen, dass zur Steinzeit der Mensch schon bis hierher vorgedrungen war. Die nun folgenden Jahrtausende schon vor der Zeitrechnung, besonders aber die Auseinandersetzungen zwischen Römern und Kelten, und Franken und Römern blieben nicht ohne Einwirkung auf den Menschenschlag, der nach diesen Menscheneinschiebungen als Endprodukt übrig blieb. Kelten und sogenannte Moselfranken sind vorwiegend die Blutquellen der Mischung.  

Rein nordische oder westische oder fälische Typen sind sehr selten. Wie überall in der Gegend ist es natürlich auch so in Matzen. Die natürlichen Lebensbedingungen in seiner lange abgeschlossenen Heimat waren nicht ohne Einfluss auf seinen Charakter. Wie die schweren Böden seine ganze Kraft erforderten, schadeten Ungunst der Witterung allzu oft seines Fleißes Werk, und so wurde er verschlossen und wortkarg, aber mit zäher Verbissenheit blieb er an seiner Scholle hängen.

Diese Scholle war für ihn die Erzieherin zu Fleiß, Anspruchslosigkeit und ländlicher Einfachheit. Einen Hang zu Eigenbrötelei und Oppositionsgeist ist dem Matzener reichlich so stark zu eigen wie dem Eifeler allgemein. Mit Liebe hängt er am bewährten Alten und sein Misstrauen gegen das bessere Neue schwindet erst, wenn der Erfolg bei anderen Fortschrittlicheren vor Augen liegt. Natürlich sind innerhalb eines Dorfes auch wieder wesentliche Unterschiede im Wesen und Charakter seiner Bewohner.

Allen Familien in Matzen aber kann eine erbgesunde Grundlage nachgerühmt werden. Die Wohnverhältnisse, ja allgemein der gute Lebensstandard mögen ihren Teil dazu beitragen, aber das Fundament ist doch die erbgesunde Ehe mit einem ganz fremden Ehepartner.

Von 54 in Matzen lebenden Männern haben oder hatten 31 ihre Frauen von anderen Orten, 11 sind von auswärts nach Matzen eingeheiratet und 12 haben Mädchen des Dorfes geheiratet.

Von 64 noch lebenden Frauen sind 37 von auswärts gekommen, 11 haben Männer von anderen Dörfern hereingezogen und 16 fanden ihren Ehepartner in Matzen selbst.

Die hier angeführten Zahlen beleuchten die Eheverhältnisse der letzten 50 Jahre und zeigen erstens an, dass die Matzener in richtiger Weise weithin umschauen, den richtigen Ehepartner zu finden, um eine Versippung des Dorfes zu verhüten, und zweitens, dass fast immer der Mann im elterlichen Betriebe bleibt; denn nur 11 sind von auswärts gekommen.

Der Weltkrieg 1914/18 und der wirtschaftliche Niedergang etwa von1925 bis 1935 wirkte natürlich hemmend auf die Häufigkeit der Ehen.

Während im ersten Weltkriege nur 6 Einzelpersonen eine Ehe schlossen, haben seit Kriegsbeginn 1939 bis Ende 1942 schon 17 Personen geheiratet, wenn auch die meisten nach auswärts. Entsprechend dem Auf und Ab der Ehekurve stieg oder fiel auch die Kinderzahl.

So blieb es nicht aus, dass die Schulkinderzahl in der Zeit zwischen den beiden großen Kriegen bis auf 20 Prozent der Gesamtbevölkerung stieg, weil 1919 bis 1921 zahlreiche Ehe geschlossen wurden. Augenblicklich ist sie wieder auf 12 Prozent gefallen. 10 bis 12 Prozent wird auch der vieljährige Durchschnitt bleiben.

Die sozialen Maßnahmen des Reiches haben natürlich stark ehefördernd gewirkt und bleiben hoffentlich nicht ohne Einfluss auf die Kinderzahl. Zu nennen sind: Ehestandsdarlehen, Steuerermäßigungen, Kinderbeihilfen, Ausbildungsbeihilfen, Ehrung der kinderreichen Mutter, Wohnungsfürsorge und anderes mehr. Bei dem guten Gesundheits- und Ernährungsstande der Kinder brauchten in den 10 Jahren des Bestandes der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) nur 5 Kinder zur Erholung verschickt zu werden.

Die Gesamtbevölkerung des Dorfes beträgt 330 und ist sich seit mehr als 50 Jahren gleich geblieben; das Mehr an einigen Familien wurde wieder durch eine Minderzahl an Familienmitgliedern heruntergesetzt. Es entfallen also bei 58 Familien auf jeden Haushalt 5,7 Einzelpersonen. Ausländische Arbeitskräfte und solche, die nur vorübergehend beschäftigt werden, sind natürlich nicht berücksichtigt.

 

2.      Die starken Wurzeln seiner Kraft

 

Mit beiden Füßen steht der Matzener Bauer fest auf seiner Scholle. Er liebt sie besonders, wenn die Parzelle zum alten Besitz des Hauses gehört. „Die oder die Parzelle muss beim Hause bleiben“, oder „Die Wiese muß zurück zum Haus“, hörte man oft sagen. Es war von alters her ein stilles Abkommen, dass ein Dritter bei einer Landversteigerung erst dann bot, wenn das Stammhaus des Landes nicht wollte oder konnte. Ausnahmen bestätigten die Regel.

Trotzdem war die Zerreißung und Zersplitterung der Güter schon weit fortgeschritten, als am 1. Oktober 1933 das Erbhofgesetz plötzlich da war. Dieses Gesetz und Preisüberwachung haben den Grundstücksverkehr stark gedrosselt. Waren vorher Preise von 800 bis 1200 Reichsmark je Morgen dorfüblich, so wollte natürlich niemand für 500 bis 700 Reichsmark den Morgen verkaufen oder versteigern.

Von den stark 50 landwirtschaftlichen Betrieben sind 12 Erbhöfe in die Erbhofrolle eingetragen. Irsch mit 3 Betrieben hat auch 3 Erbhöfe. In der Folge werde ich aber auch die Landwirte mit den Erbhofbauern kurz –Bauer- bezeichnen. Die Erbhöfe sind keineswegs die stärksten Betriebe allgemein, weil der Mitbesitz einer zweiten Person die Eintragung nicht gestattet.

Für Matzen ist auch eine Minimalgröße von 7,5 Hektar Land als Ackernahrung festgesetzt. Es ist wohl aber nicht anzunehmen, dass bei späterer Weiterführung der Erbhöferolle so schwache Betriebe noch eingetragen werden. Etwa 5 bis 6 der leistungsfähigsten Betriebe sind keine Erbhöfe.

Das Erbhofgesetz hat neben Zustimmung auch viel Widerspruch ausgelöst. Hier soll das Für und Wider nicht abgewogen werden, dafür sind die berufenen Stellen da. Ebenso verhält es sich mit einer Melioration oder Zusammenlegung. Die Matzener haben vielfach die Zusammenlegung unter der Hand geführt, in dem sie möglichst anliegende kleinere Parzellen durch Kauf oder Tausch erwarben.

Nach mehreren Umfragen kann man immerhin eine Parzellendurchschnittsgröße von 45 ar annehmen, wobei allerdings manche Parzellen mehrere Katasternummern haben. Es liegen häufig 4 bis 6 Morgen in einer Parzelle, wofür aber auch solche von 10 bis 15 ar vorkommen. Die Mängel einer solchen Zersplitterung sind jedem Bauern klar. (In manchen Nachbarorten ist es noch viel schlimmer).

Das Wegenetz ist in manchen Gemarkungen noch ausbaubedürftig. Immerhin hat die Gemeinde innerhalb des Bannes ein Gemeindestraßennetz von rund 13 Kilometern gebaut und unterhalten.

Die Straße Bitburg-Dudeldorf, die auch den Bann Matzen berührt, ist seit einigen Jahren Kreisstraße geworden. Die an sich sehr schöne und breite Zugangstraße von Bitburg her ist seit einigen Jahren in einem trostlos baulichen Zustande. Eine Walze ist zur Kriegszeit nicht zu bekommen und ohne gewalzt liegt eine Schotterdecke nicht, besonders in Steigungen.

Im Jahre 1937 ließ die Gemeinde auf dem Tannenberg zwei Hektar Lohhecke roden und gleichzeitig drainieren. Die Fläche wurde in Parzellen von je einem Morgen an landbedürftige Gemeindeeingesessene zu einem geringen Pachtsatz abgegeben.

Weitere Rodungen am Gemeindewald sind wegen der steilen Lage nicht mehr empfehlenswert. Auch Rodungen von Privatwäldern sind kaum noch zu erwarten, da alles Brauchbare bereits gerodet ist. Noch vor 40 Jahren waren kleine Waldparzellen durch den ganzen Bann zerstreut, die heute gutes Acker- oder Grünland sind. So in Heidelchen, Laupertshöhe, Ischental, Hielenheck, Schieder, Auf der Heide.

Da vielfach im Bann eine geschlossene Lehm- oder Tonunterlage vorkommt, sammeln sich an vielen Stellen stauende Wasser in der Ackerkrume, die die Bebauung erschweren, den Boden versauern und die Auswinterung von Getreide und Luzerne begünstigen.

Gerade auf dem Gebiete der Trockenlegung sind noch umfangreiche Maßnahmen durchzuführen. Im Jahre 1936 oder 37 wurde an Hand einer Bannkarte eine Aufstellung der notwendigen Kulturmaßnahmen vorgenommen. Einiges wurde bereits ausgeführt, wie die erwähnte Rodung und kleine Drainagen.

Eine Generalkultivierung des Bannes muss also nach dem Kriege noch kommen: Zusammenlegung und damit verbunden eine Erweiterung und Umlegung des Wegenetzes, Trockenlegung und Ausbau noch mehrerer Betriebe zu größerer Leistungsfähigkeit.

Trotz der vorstehend angeführten Mängel gilt der Bann Matzen jetzt schon zu den leistungsfähigsten und ertragreichsten des Kreises Bitburg; denn sowohl bei der Festsetzung des Einheitswertes und der Ertrags- und Umsatzsteuer steht Matzen an der Spitze des Kreises.

Von den 58 Familien des Dorfes haben 52 Landbesitz. Dabei sind aber 7, die Landwirtschaft nur als Nebenbetrieb haben und als Zwergbetriebe gelten können. Die übrigen 45 sind die Landwirte und Bauern. Großbetriebe im eigentlichen Sinne sind keine vorhanden, sondern durchweg gute Mittelbetriebe bis 30 Hektar Wirtschaftsfläche.

Der Bann umfasst 748 Hektar. Durch den Ausgleich der Forensen mit den Besitzern von Matzen auf fremden Bännen verbleiben noch 735 Hektar. Daran ist die Gemeinde selbst mit 73 Hektar Wald, ferner mit Wegen, Gewässern, Eisenbahn, Kirchhof und Dorflage mit weiteren etwa 80 Hektar beteiligt.

Misst man den Zwergbetrieben insgesamt 12 Hektar zu, so gehen 165 Hektar von 735 Hektar ab, so dass die 45 Betriebe noch eine Wirtschaftsfläche von 575 Hektar haben. Das ist eine Betriebsfläche von 12,66 Hektar oder rund 50 Morgen im Durchschnitt. Die Zahl stimmt mit der überein, die nach den Betriebsbögen bei der alljährlichen Bodenbenutzungserhebung im Mai festgestellt wird.

Die meisten auswärtigen Besitzer im Bann Matzen wohnen in Bitburg. Das ist erklärlich, da der Bann bis dicht an die Stadt heranreicht. Aber auch Irsch, Erdorf, Fließem und Nattenheim haben Grundbesitz in Matzen.

Dagegen haben Matzener Besitzer in viel mehr Gemeinden Grundstücke, nämlich in 17, wenn der auswärtige Besitz auch um 13 Hektar kleiner ist als der der auswärtigen Forensen.

Der folgende Absatz soll nun zeigen, was der Matzener Bauer seinem Boden abringt.  

3.      Die Auswertung

Das Wort „Erzeugungsschlacht“ ist neu im deutschen Sprachschatz. Es hat sicherlich manch lässigen und schläfrigen Bauern wach gemacht und an seine Pflicht erinnert, die er durch den Bodenbesitz für seine Familie und das ganze Volk hat. Für die meisten von Matzen war das neue Wort nicht notwendig. Da wurde die Erzeugungsschlacht schon vorher geschlagen und auch gewonnen. Der hiesige Bauer ist viel zu strebsam und darauf eingestellt, hoch zu kommen, als dass er nicht alle Mittel und Wege suchte, auch sich, seine Hilfekräfte an Menschen und Gespann nicht schonte, um das Höchstmöglichste zu erreichen. Hierbei schadet auch ein gut Stück Eigennutz und Ehrgeiz nichts; denn die Auswirkung kommt der Allgemeinheit zugut.

Der Kern der landwirtschaftlichen Erzeugung ist der Getreidebau. Rund 40 Prozent der Gesamtfläche dient dazu. Nach den letzten Bodenbenutzungserhebungen verschiebt sich der Anteil an Winter- oder Sommergetreide nicht unerheblich. Das Wetter im Herbste und eventuell Auswinterungsschäden sind mitbestimmend. Als Mittel der letzten Jahre stellte ich die Benutzung der vorhandenen 575 Hektar wie folgt fest:

Weizen............................. 95 ha
Roggen............................ 10 ha
Wintergerste.................... 15 ha
Hafer ................................ 90 ha
Sommergerste................ 10 ha
Flachs- und Ölfrucht........ 10 ha
---------------------------------------------------------------
Getreide ........................ 230 ha  = 40 Prozent
===================================

Kartoffeln......................... 25 ha
Runkelrüben.................... 25 ha
--------------------------------------------------------------
.......................................... 50 ha = 8, 7 Prozent
===================================

Auch der Anteil der Luzerne ist ganz enorm.

Luzerne.......................... 150 ha
Wiesen............................. 40 ha
Weiden............................ 40 ha
-------------------------------------------------------------
Futterbau ...................... 230 ha = 40 Prozent
==================================

Wald................................. 30 ha      = 5,9 Prozent
Verschiedenes................ 35 ha      = 6 Prozent

Besonders die Getreideernte 1941 soll hier näher beleuchtet werden. An Winterbrotfrucht, damals nur Weizen und Roggen, waren rund 110 Hektar bestellt. Die Ernte war so gut, dass je Hektar 28 Doppelzentner reine Frucht als Grundlage für die Ablieferung in Ansatz gebracht wurden. Ein Beispiel: Der Bauer A. hat 25 Morgen Weizen geerntet. Je Morgen 14 Zentner Ertrag ergibt eine Menge von 350 Zentner. Bei 7 Personen im Haushalt als Selbstversorger wurden ihm 7 mal 3,5 Zentner zum Eigenverbrauch belassen = 24,5 Zentner; dazu auch wieder 25 Zentner als Saatgut; macht zusammen 50 Zentner. Mithin hat er 300 Zentner zur Ablieferung zu bringen. Mengen von 200 bis 300 und mehr Zentner wurden nicht nur angefordert, sondern das Liefersoll manchmal sogar überschritten.

Wenn man die Durchschnittsernte von 14 Zentnern je Morgen festhält, so ergibt sich eine Fruchtmenge von den 110 Hektar von 6160 Zentner. Die genügte um 1760 Personen als Selbstversorger oder 2640 Personen als Normalverbraucher mit Brot und Mehr zu versorgen bei einer Brotherstellung ohne Gerste und anderen Zusätzen. Im Orte wurde also noch lange nicht der fünfte Teil verbraucht und über 80 Prozent kamen zur Ablieferung oder dienten als Saatgut.

Die Ernte 1942 war flächenmäßig kleiner, der Hektarertrag dabei so gering, wie in keinem der letzten Jahre. Dafür war die Ernte von Sommerfrucht, besonders Hafer 1942 reichlich und gut wie in kaum einem Vorjahre. Wintergerste hat sich in den letzten 10 Jahren sehr beliebt gemacht; sie liefert in besten Jahren die höchsten Hektarerträge aller Getreidearten. Sommerweizen wird selten gesät, höchstens nach großen Auswinterungen. Meist ist es zu spät dazu, wenn die Auswinterungsschäden feststehen.

Der Flachsanbau  war seit 1934 befohlen, aber trotz aller Belehrung und Bemühung des Reichsnährstandes blieb er ein Sorgenkind. Gute Resultate wurden nicht erzielt. 1942 waren nur mehr wenige kleine Parzellen damit bestellt. Es scheint, dass man Gegenden gefunden hat, wo er bessere Erträge liefert und auch besser in die Bewirtschaftungslage des Dorfes passt.

Mehr Glück hat der Ölfruchtanbau gehabt. Winter- und Sommerraps schlagen gleich gut an und liefern gute Erträge. Der Anreiz zum Anbau wird gesteigert durch die Zuteilung von Öl- und Rapskuchen.

Besonders geeignet für Kartoffeln ist unser schwerer bindiger Boden nicht. Deshalb wird auch kein eigentlicher Erwerbsbau getrieben, sondern nur zum Eigenbedarf, einschließlich Futterkartoffeln. Bei guten Ernten wurden immer einige Fuhren verkauft. Durch den für 1942 erhöhten Preis um 0,75 Reichsmark pro Zentner und das Verbot der Verfütterung von Speisekartoffeln wurden sehr viele zur Ablieferung gebracht.

Die Ungunst des Bodens sucht man auszugleichen durch besondere Auswahl des Feldes, reichliche Düngung, gute Durcharbeitung des Feldes und besonders durch Hochpflanzen. Die Saatkartoffeln werden in sehr flache Rillen auf den Boden gelegt und dann mit dem Häufler oder Vielfachgerät zugehäufelt. So liegen sie höher als die Sohlen der Häufel, sie liegen trockener und wärmer und lassen sich im Herbste viel leichter mit dem Kartoffelroder ernten.

(Originalskizze aus dem Manuskript)

Man rechnet als Mittelernte 90 bis 100 Zentner pro Morgen. Bei Massenkartoffeln (Ackersegen und ähnliche) sind Ernten von 150 Zentner möglich. Wenigsten 90 von den etwa 100 gepflanzten Morgen werden mit dem Kartoffelroder geerntet. Der Kartoffelkäfer wurde noch nicht gefunden.

Für Runkelrüben sind die Vorbedingungen wesentlich günstiger. Tiefgründige Lehmböden sagen ihr am meisten zu. Die Anbaufläche ist mit 25 Hektar gleich der der Kartoffeln. Die Erträge liegen etwa bei 400 bis 500 Zentner je Morgen. Bewährt hat sich die Aussaat der Samen ins vorbereitete Feld und nicht das Bepflanzen mit Setzlingen. Im leichten Boden ist es umgekehrt.

Die Eifeler Luzerne  hat einen guten Namen bei allen Futterhändlern und Pferdebesitzern in Rheinland und Westfalen. Nirgends gedeiht sie besser und ist nährstoffreicher als aus Matzen und ähnlich gelegenen Orten des Kreises Bitburg. Sie ist ein besonderer Stolz unserer Bauern und wird weit über den Eigenbedarf angebaut. Dazu hat auch die frachtgünstige Lage beigetragen. 3 bis 4 und mehr Waggons werden aus den größeren Betrieben zum Verkauf gebracht. Mancher Mittelbetrieb verkauft noch 1 bis 2 Waggons. Durch Luzerneanbau und –verkauf kommt auf verhältnismäßig leichte Art viel Geld ins Dorf.

Wirklich gute Talwiesen die auch bewässert werden, mit 2 und 3 Schnitten, sind nur etwa 15 Hektar zur Verfügung, und die sind in den Händen nur weniger Bauern. Andere Wiesen, die nach der Heuernte nur mehr beweidet werden, sind mehr vorhanden und auch besser verteilt. Wiesenheu kommt so gut wie keines zum Verkauf.

Viehweiden wurden in den letzten 10 Jahren viele angelegt, gut unterteilt und auch wirklich ertragreiche Lagen dazu verwandt. So besitzen jetzt alle größeren Bauern einige Hektar beste Weiden, die auch sachgemäß gepflegt und gedüngt werden. Die Auswirkung für die Arbeitsersparnis und für die Steigerung der Milch- und Fettleistung ist gerade jetzt zur Kriegszeit erfreulich.

Der Obstbau wird hier nicht plantagemäßig betrieben, und doch ist er ein wesentlicher Faktor im Haushaltsplan der Matzener Bauern. Die Höhenlage von 300 bis 400 Meter verbietet wohl den Anbau von Edelobst. Das Schwergewicht liegt auf dem Wirtschafts- und Mostobst, welches letztere zur Zeit auch als Wirtschaftsobst verwandt wird. Das gilt besonders von der hier bevorzugten Pleiner Birne.

An Äpfeln steht der Rheinische Winterrambour an der Spitze. In den Hausgärten wird vornehmlich Steinobst gepflanzt, während in offenem Felde Kernobst steht. Der Obstabsatz wird getätigt durch den Großmarkt von Trier. Aufklärung durch die Fachpresse und den Obst- und Gartenbauverein Bitburg haben bewirkt, dass der Baumpflege wenigstens die bescheidenste Beachtung geschenkt wird. Neuanpflanzungen wurden in den letzten 10 Jahren mehr durchgeführt wie in den 50 Jahren vorher. Eine beliebte Verwertung des Mostobstes ist gebräuchlich.

1942 wurden an tragfähigen Obstbäumen gezählt:

Apfelbäume............................... 972
Birnbäume................................. 815
Zwetschgenbäume.................... 124
Pflaumenbäume.......................... 64
Mirabellen und Reneclaude........ 38
Pfirsichbäume................................ 1
Kirschbäume................................ 14
Nussbäume.................................. 22

Die Viehzucht nimmt einen besonders breiten Raum in der Wirtschaftsweise des Matzener Bauern ein. Ich erkläre mir das aus folgenden drei Gründen.

1.     Gespann
2.     Dünger
3.     Veredelung seiner landwirtschaftlichen Erzeugnisse

Zu 1:   Der schwere Boden erfordert zu allen Landarbeiten: Pflügen, Eggen, Walzen, Dünger fahren – ein kräftiges Gespann. Den Pferdeeinspänner gibt es hier nicht. Entweder reichte die Arbeit aus für 2 und mehr Pferde, oder es wird ein gutes Kuhgespann gehalten, wozu in der Regel 3-4 Kühe gelten können. Ochsengespanne gibt es nur sehr selten.

Zu 2.:   Der Bauer ist stolz auf einen großen gepflegten Düngerhaufen, und das mit Recht. Handelsdünger können wohl die erforderlichen Pflanzennährstoffe geben, aber Bodenverbesserung wird durch ihn kaum erreicht. Man ist jetzt dazu übergegangen, öfters, wenn auch weniger, zu düngen. Je nach Fruchtfolge kommt ein Feld nach 2-3 Jahren zur Bedüngung mit Stallmist.

Auch Wiesen und Weiden werden in kurzen Zeitabständen mit einer dünnen Gabe Stallmist versehen. Der hiesige Bauer ist einsichtig genug, keinen Dünger zu verkaufen, sondern seinen Acker wieder so viel wie möglich an Stroh, Dünger und Jauche zurückzugeben. Der Verlust an Jauche ist, trotz der noch hier und da zu beobachtenden braunen Bächlein, ganz gering, da jeder Bauer Jauchegrube, -pumpe und Faß besitzt. Der zusätzliche Verbrauch an Handelsdüngern war vor dem Kriege ganz enorm.

Zu 3.:   Die Veredelung der Landesprodukte zu Zug-, Zucht- und Mastvieh, sowie zu Milch, Eier steigt natürlich mit der Abnahme der Absatzmöglichkeit des Urproduktes. Ein Stück Schlachtvieh ist im entlegensten Dorfe kaum schlechter abzusetzen als mitten im Verkehr; anders verhält es sich dagegen mit Futter, Rüben, Kartoffeln und dergleichen. Für Eifeler Verhältnisse liegt Matzen verkehrsgünstig, aber doch wieder nicht in der Nähe größerer Märkte für Landesprodukte. So ist es erklärlich, dass soviel Vieh aufgestellt wird, wie Menge des Futters, Platz in den Ställen und Arbeitskräfte es zulassen.

Pferde stehen in Matzen etwa 50, meist nur zum Zwecke der Bearbeitung des Gutes, kaum zur Pferdezucht. In der Regel werden jährlich 4-5 Fohlen geboren, von denen dann etwa 2-3 hochkommen. Kraftmaschinen (Traktoren und Lastwagen) sind keine vorhanden, so dass alle Arbeiten und Transporte mit Gespannvieh getätigt werden. Von 45 Bauern arbeiten 20, also 44 Prozent mit Pferden und 25 = 56 Prozent mit Kühen. Der Pferdeumsatz ist äußerst gering. Meist werden die Pferde im eigenen Betrieb abgetrieben.

Der Rindviehbestand  mit rund 550 Stück im Dorf ist zahlenmäßig hoch, aber qualitativ sehr verschieden nach den einzelnen Ställen. Fast ausschließlich wird das Glan-Donnersberger Rind gezüchtet. In etwa 10 Betrieben kann man den Bestand mit gut bis sehr gut bewerten, dagegen fallen andere, auch größere, ganz ab. Die besten Ställe sind dem Rhein. Glanviehzuchtverband angeschlossen und haben des Öfteren auf den Auktionen in Bitburg und Simmern für Jungbullen sehr hohe Preise erzielt. Dafür haben sie sich auch zu einer Genossenschaft mit eigener Bullenhaltung zusammengeschlossen und immer teurere Bullen aufgestellt. Außerdem hat die Gemeinde stets zwei gekörte Bullen auf ihrer Deckstation stehen.

In den Jahren 1940 – 42 wurden in 6 –8 Ställen auch rotbunte Kühe und Rinder eingestellt. Importiert wurden sie aus der Gegend von St. Vith und Malmedy. Es scheint, dass nur zweite oder dritte Garnitur eingeführt wurde; denn imponierende Exemplare dieser Rasse sieht man selten zur Weide getrieben werden. Möglich ist, dass die Milchleistung etwas größer ist als bei Glankühen, dafür fällt die Arbeitsleistung aber so gut wie ganz aus. Berechtigung hat dieses Vieh nur dann hier, wenn der ganze südliche Bann mit seinen Tonböden zu großen Weiden zusammengefasst und ganz aus der Beackerung gezogen würde. Mit anderen Worten: Weniger Betriebe, aber alle mit Pferdegespann, dafür eine wesentliche Vergrößerung und Verbesserung der Weiden.

Matzen liegt im Einzugsgebiet der Zentralmolkereigenossenschaft Bitburg. Da alle Zentrifugen und Butterfässer plombiert, bzw. beschlagnahmt sind, ist die Erfassung der Milch zur Verbutterung total. Für die Bewirtschaftung der Butter war das eine Notwendigkeit, wenn es vielfach auch nicht eingesehen wird. Außerdem trat eine wesentliche Arbeitserleichterung der Hausfrau ein. Neben vielen Nörglern hörte man auch anerkennende Stimmen über die Molkerei.

Die Schweine und Hühnerhaltung waren in Matzen normal wie in ähnlichen Eifeldörfern. Zur Zeit im Kriege geben sie durch die Verknappung der Futterbasis kein richtiges Bild mehr ab. Im Wesentlichen beschränken sie sich auf die Sicherstellung der Selbstversorgung.

Die Bienenzucht war vor 6 – 8 Jahren fast ganz zum Erliegen gekommen. Neuen Auftrieb erhielt sie durch Herrn Schmiedemeister Menge, der wirklich ein begeisterter und fachkundiger Imker ist, der auch mehrere junge Bauern für die Imkerei begeisterte, so dass ein Aussterben dieser edlen Zucht nicht mehr zu befürchten ist. Heute stehen wieder 8 Bienenstände mit etwa 40 Völkern im Dorf.

Das Halten von Ziegen ist in Matzen ganz verpönt. Seit vielen Jahren ist keine mehr gehalten worden. Kam es früher doch in einzelnen Fällen vor, so nur zum Zweck der Ferkelaufzucht.

Schafzucht wird keine betrieben. Zwei bis drei Stück werden nie überstiegen. Für eine Schafherde sind die Vorbedingungen nicht gegeben. Ödland ist kaum vorhanden. Stoppeln werden möglichst bald geschält.

Die Fruchtfolge. Bis spät ins 19. Jahrhundert war die Dreifelderwirtschaft beibehalten. Es folgten: Winterfrucht, Sommerfrucht, Brache mit Düngung; also in 3 Jahren nur 2 Ernten. Das genügte vor 20 – 30 Jahren schon nicht mehr und heute fordert man in 2 Jahren 3 Ernten, wovon die eingeschobene eine schnellwachsende Zwischenfrucht oder Grünfutter ist, welches zur Sommerfütterung oder als Silofutter dient. Nur 5 Bauern haben Silos für Gärfutter angelegt und nur 3 solche für Gärkartoffeln. Das ist verhältnismäßig sehr wenig. Erschwerend für den Bauern wirkt sich die weite Anfuhr von Kies und Sand aus, welche zur guten Betonbereitung von Binsfeld genommen werden müssen.

Die Häufung der Ernten wurde erst möglich durch die starke Anwendung von Handelsdüngern und durch die Anschaffung gut und tief arbeitender Kulturgeräte und Maschinen. Dass moderne Pflüge, Eggen, Walzen, Hack- und Häufelpflüge in allen Betrieben vorhanden sind, ist eine Selbstverständlichkeit. Drillmaschinen und Mähmaschinen sind in fast allen Betrieben im Gebrauch, auch in solchen mit Kuhgespann.

Kartoffelroder stehen 14 und Selbstbinder 15 zur Verfügung. Durch Ausgleich der Arbeitskräfte werden etwa 90 Prozent Kartoffeln mit dem Roder geerntet und auch 80 bis 90 Prozent Getreide mit dem Binder geschnitten. Stationäre Elektromotoren mit davon getriebenen Dreschmaschinen, Schrotmühlen und Kreissägen sind 34 im Dorf.

In 12 Betrieben wird das Heu mittels Heuablader oder Gebläsen auf den Heuboden befördert, wodurch eine wesentliche Beschleunigung und Erleichterung eintritt. Seltene Maschinen sind Düngerstreuer, Hederichspritzen und Trieure; letztere zur Reinigung und Beizung des Saatgetreides.

Die wichtigsten Flurnamen - colorierte Handskizze, 1:10.000

 

4.      Flurnamen

 

Manche Flurnamen geben reichlich Aufschluss über Bodenbeschaffenheit, frühere Benutzung, geschichtliche Begebenheiten und Volksgebräuche. Vorstehende Bannkarte enthält nur die wichtigsten von diesen Benennungen. Oft hat der Volksmund für ganz kleine Gebiete, die nur einige Parzellen umfassen, eine besondere Bezeichnung geprägt, welche deshalb auch nicht im Kataster eingetragen sind.

Nachstehend folgt eine Aufstellung der Flurnamen mit kurzen Hinweisen, die die Namensgebung bedingten. Nicht bei allen ist dem Schreiber eine Deutung bekannt.

 

Weißen Stein

-      Kalksteinbruch mit heller Wand

Grauen Stein

-      Graubraune Kalksteine im Boden

Hohlen Stein

-     

Rotacht

-      Dunkelroter Lehm

In Betzen

-      Wiesental mit vielen kleinen Quellen

Schieder

-      Scheide – Höhenrücken zwischen zwei kleinen Tälchen, also Wasserscheide

Der Kamm

 

-      Mit scharfer Kante abfallender Steilhang ( Skizze )

              

Auf der Heide Hardt

Haselheck Burgeich

Heidelchen

Auf dem Forst

Geisberg Tannenberg

Hielenheck


-      Die Namen geben an, dass in diesen Flurteilen früher Wald oder Heckenbusch stand. Heute sind sie fruchtbare Ackergebiete und nur auf dem Forst und im Tannenberg ist etwas Wald übrig geblieben.

Im Beuel Beielsbach

 

-      Wiesentälchen inmitten der Ackerflächen

Im Brühl

-      Haus- oder Dorfpesch

Ewen

Ewensbann

-      s. S. 73 ( Ewen )

    Lagestelle des einstigen Dorfes Ebeno südlich vom Sonnenhof

 

Im Stock

-               Ein Kernstück des Bannes war das Hauptland des einstigen Herrengutes von Matzen. Stock bedeutet hier auch Stamm wie im Stockhaus = Stammhaus.

Die Huf

 

-      Ebenfalls großer fruchtbarer Flurteil, der dem Stockgute zu eigen war, aber in Hufen an die Hörigen abgetreten wurde zur Bestellung.

Wiedenhofen

-      Anscheinend einst im Kirchenbesitz

Bäumchesfeld

 

-      Früher obstbaumreiches Gebiet.
Die Obstbäume wurden um 1800 von den Truppen Napoleons abgehauen und in Lagerfeuern verbrannt. Lagerstätten sind heute noch in der Nähe auf der Heide festzustellen.

Messenhöhe

Messenweg

 

-      Matzen gehörte früher zeitweise zur Pfarrei Rittersdorf. Die Leute benutzten damals einen Weg, der in gerader Linie nördlich der Stadt Bitburg die Straße nach Rittersdorf erreichte – jetzt Finanzamt.

Die Trift

-      Rinder, Schafe und Schweine wurden in großen Herden auf breiten Treibwegen zur Weide getrieben. Die größte Trift begann an der jetzigen Schule und ging in Richtung Pützhöhe. Eine andere über die Messenhöhe; auch eine in die Leichessank.

Brechkaul

 

-      Bezeichnet die Stelle, an der früher Flachs und Hanf nach der Sonnen- und Tauröste gebrochen wurde

Bei der Kirche

 

-      Einige Wiesen im unteren Dorf, zwischen Sonnen, Debohse und dem Brunnen, weil dort die Kapelle stand.

In Odrang

-      In der Nähe der römischen Altertümer

Hinzchesberg

-      Auf Heinzchesberg, gehörte wohl früher vorwiegend dem alten Hause Heinzen

Der Kust

Kuststraße

-      So benannt nach einer Familie gleichen Namens

Tolwert

-     

Bierschwengel

-     

Ischental

-     

Leichessank

-     

In Arxen

-     

In Lamert

-     

In den Jeichen

-     

Griewental

-    

Ritschenbach

-     

Dänäcker

-     

Todesäcker

-     

Exemplarisch für die korrekte und exakte Schrift des Autors hier eine Fotoaufnahme der Seite 15 des Manuskripts:

D     Matzen und der Nationalsozialismus

 

Vom Kampf des Führers zur Rettung des deutschen Volkes aus dem Chaos kam erst spät Kunde in die Eifel. Erst um 1930 fasste die Partei hier Fuß und trat noch später als politische Partei bei den Wahlen in Erscheinung. In Matzen bildete sich dann bald eine Gruppe von Verfechtern seiner Idee in Stärke von 35 bis 40 Stimmen, die ihm auch bei allen Wahlen treu blieben, ohne jedoch Mitglieder der Partei zu werden.

Auch nach der Machtübernahme, als die Partei mehrere Mitglieder erhielt, fehlten durchweg die ersten Anhänger. Heute zählt die Partei 38 Mitglieder im Orte und bildet eine Zelle der Ortsgruppe Bitburg. Bei allen Wahlen und Volksentscheiden, die auf Veranlassung des Führers durchgeführt wurden, waren sowohl Beteiligung, wie auch Bekenntnis für die Maßnahmen des Führers vollzählig.

Besonderer Nachdruck wurde auf die Erfassung der Jugend gelegt. 1935, als der Beitritt noch nicht jahrgangsweise erfolgte, konnte der Lehrer als einer der ersten im Kreise die hundertprozentige Zugehörigkeit der 10-14jährigen zur Staatsjugend melden.

Alle Eltern hatten ihre Zustimmung gegeben. Das erst 1942 eine Ortsgruppe der NS-Frauenschaft zustande kam, lag nicht in Widerständen von Seiten der Frauen, sondern zeugt von einem organisatorischen Mangel. Weder die Partei, noch die Kreisfrauenschaft hatten vorher versucht, die Frauen zu erfassen. Bei der ersten kurzen Versammlung traten 46 Frauen bei.

Das soziale Gewissen der Partei bildet die NS-Volkswohlfahrt.

Wenn Herr Kreisleiter Parteigenosse Diedenhofen 10 Prozent der Bevölkerung für die NSV zu werben befahl, so wurde das Ziel erreicht, als er kurz darauf 20 Prozent vorschrieb, so konnte der NSV-Amtsleiter fristgemäß 21 Prozent melden. Inzwischen ist die Zahl der Mitglieder über 100 gestiegen, was 30 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Rückstände von Beitragsgeldern waren nie zu verzeichnen.

Das eng mit der NSV verknüpfte WHW (Winter-Hilfs-Werk) konnte stets beispielhafte Spenden von Matzen verbuchen. Zum Beispiel WHW 35/36 wurden neben den Geldsammlungen abgeliefert:

72     Zentner Weizen und Roggen
45     Zentner Kartoffeln
60     Pfund geräucherten Speck
31     große Bauernbrote

dazu einige Zentner Obst und Gemüse

In anderen Jahren verschob sich die Menge etwas zu Gunsten von Kartoffeln oder Obst, je nach Ausfall der Ernte. Die Geldbeträge waren damals allerdings sehr bescheiden.

Nach Wegfall der Agrarspende stiegen die Geldsummen und erreichten 41/42 die hervorragende Höhe von 4,90 Reichsmark je Haushalt und Opfersonntag oder der Rote-Kreuz-Sammeltag.

Das Ergebnis ist sich bis jetzt gleich geblieben. Auch bei anderen Sammelaktionen wie Metallspende 1940, Wollspende Januar 1942, Textil- und Schuhspende Mai 1943 sind ganz zufriedenstellende Ergebnisse erreicht worden.

A.    Natürliche Gegebenheiten

1.      Geographische Lage

Als Eifel bezeichnet man allgemein das linksrheinische nordmoselländische Schiefergebirge. Ihren Namen erhielt sie durch Ausdehnung der Bezeichnung des ursprünglich zwischen Daun und Schleiden gelegenen Eifelgaues auf die benachbarten Gebiete.

Nach Süden zu verliert sich der gebirgige Charakter der Eifel und nimmt mehr das Gepräge einer Hochebene an, die durch zahlreiche tiefeingeschnittene Flusstäler der zur Mosel und Sauer hinstrebenden Eifelflüsschen in mehrere langgestreckte wellige Einzelplateaus aufgeteilt wird. Diesen Teil bezeichnet man als Westeifel; sie ist das Gebiet des Kreises Bitburg und des nördlichen Teiles des Kreises Trier-Land. Die Hochfläche zwischen Nims und Kyll wird etwa zwei Kilometer nördlich von Bitburg vom 50. Breitengrade quer überschritten und berührt den nördlichen Rand des Dorfes Matzen genau 1 km ehe er das 100 Meter tiefe Kylltal überspringen muss.

Die geographische Länge ist bei rund 4 Grad 30 Minuten östlich von Greenwich.

Politisch gehört die Landgemeinde Matzen seit der Bildung der Rheinprovinz zum Amte Bitburg-Land im Kreise Bitburg, Regierungsbezirk Trier.

Sein Bann erstreckt sich vom Albach in einer Länge von 4,5 Kilometer nach Norden bis zum Gensberg östlich von Odrang, und vom rechten Kyllufer bis einige hundert Meter vor Bitburg und der Reichsstraße Trier-Köln bis zum Gehöfte Pützhöhe. Der Bann Irsch mit einer Größe von 255 Hektar ist dabei mit eingeschlossen. Die Banngröße von Matzen ist 748 Hektar. Nennenswerte Wasserläufe sind außer der grenzbildenden Kyll mit dem Albach nicht vorhanden.

Die Höhenlage schwankt zwischen 230 Meter und 400 Meter über NN. Der Steilhang zur Kyll, mit dem Gemeindewald (73 Hektar) bestanden, nimmt von dem Höhenunterschied von rund 170 Meter gleich 80-100 m für sich in Anspruch, so dass die Steigungen innerhalb des Ackerbannes auf der Hochfläche verkehrs- und beackerungsmäßig keine nennenswerten Schwierigkeiten darstellen. Der Kern des Dorfes ist in einer flachen Mulde und einem wenig geneigten Südabhang gelegen. Die niedrigste Höhe des Dorfes ist 320 Meter über NN.

2.      Geologischer Aufbau

Die devonkarbonischen Schiefergesteine liegen im Gebiet von Matzen nicht mehr zu Tage, sonder sind überall von Triasgesteinen: Buntsandstein im Kylltale und sein im Kylltale, Keuper und Muschelkalk auf der Höhe. Der verwitternde Einfluss des Klimas ist durchweg soweit vorgeschritten, dass das Kalkgestein nirgends offen zu Tage tritt, sondern eine genügende Ackerkrume aufgelagert hat, wodurch eine tiefgründige Beackerung ermöglicht wird. Nur auf einzelnen Rücken der Bodenwellen schürft der Pflug über den festen Kalkstein.

In einem großen Steinbruch auf „Weißen Stein“ wird der Muschelkalkstein abgebaut und dient als Mauerstein und Straßenschotter. Ganz Matzen ist aus diesem Steinbruch aufgebaut und die 13 Kilometer befestigten Gemeindestraßen haben ebenfalls ihr Baumaterial fast ausschließlich von Weißen Stein. Irsch hat ähnliche Steinbrüche an der Reichsstraße nach Erdorf an der Teufelsschlucht.

Die Ackerkrume hat in Folge ihrer Herkunft also schon eine große Bereicherung an Kalk, und wie verschiedene Untersuchungen von Bodenproben ergeben haben, auch einen gewissen Kalireichtum. Das soll aber nicht dazu verleiten, diese beiden Pflanzennährstoffe, besonders Kali, ganz zu vernachlässigen. Durch jahrelange Düngung mit Säure enthaltenden Stickstoffen wird der Boden sauer, besonders wenn in Wiesen noch stauende Wasser die Versauerung begünstigen. Da ist nach Ablauf mehrerer Jahre eine Kalkdüngung angebracht. Auch ist die Lösung des Kalkes zum Teil nur eine mechanische und keine chemische, so dass der vorhandene Kalk den Boden wohl lockert, aber die Pflanze nicht nähren kann.

Der von der Dorflage nach Norden liegende Hauptteil des Bannes hat kalkhaltige Lehmböden auf Kalkunterlage, während der südliche Teil verwitterter Keuper mit einer starken Beigabe von Ton hat. Beide Böden haben ihre Vorzüge und Nachteile. Schwer sind beide, aber der Tonboden doch besonders. Dieser Tonboden ist ein Stück des bekannten Bitburger Weißlandes, das sich quer durch die Mitte des Kreises erstreckt in einer Breite von einigen Kilometern. Beginnend zwischen Badem und Metterich östlich der Kyll, zeigt er sich zwischen Matzen und Mötsch und ist zu verfolgen über Bitburg-Masholder, Stedem, Ingendorf, Bettingen, Schankweiler, Stockem, Stockigt, Kruchten, Biesdorf, Wallendorf und geht weiter über die Sauer und Our und zeigt sich wieder bei Reisdorf, Bigelbach.

Sandboden ist in der Feldgemarkung von Matzen nirgends. Die in einer Mulde gelegene Dorfwiese hat diluviale Ablagerungen und in einem kleinen Wiesentale in Betzen hat der Tonboden Torfbeimischungen.  

3.      Klimatische Verhältnisse

Auf der Höhe des 50. Breitengrades und an der Westseite des eurasischen Festlandblockes gelegen wird das Wetter um Bitburg maßgebend durch die Luftströmungen des nordatlantischen Raumes bedingt. Dementsprechend sind die westlichen beziehungsweise südwestlichen Winde vorherrschend, die besonders in den kühleren Jahreszeiten durch die in nördlicher Richtung vorbeiziehenden Tiefdruckgebiete ausgelöst werden.

In den Frühjahrs- und Sommermonaten hingegen treten in Folge großer atlantischer Hochdruckgebiete Luftströmungen aus nordöstlicher Richtung auf, die bis Mitte Mai fast jedes Jahr Kälteeinbrüche bringen. Diese Winde sind sehr trocken, dörren deshalb die junge Vegetation aus, machen den schweren Boden brüchig und rissig und haben oft das Ausheben der Wintersaat zur Folge. Frühgemüse und Kartoffeln leiden häufig Schaden. Die Obstblüte wird gestört oder ganz verdorben.

Ist dieser Ostwind in den Höhenlagen besonders zerstörend wirkend, so fürchtet der Gartenbesitzer und Obstbauer die kalten Bodennebel im Mai für seine Kulturen in den Niederungen noch mehr. Solche Nebel brachten schon Kälterückschläge bis 6 Grad minus und sind schon bis in den Juni aufgetreten, wobei die Roggenblüte gelitten hat.

Die mittlere Jahrestemperatur liegt im 10-jährigen Durchschnitt bei 8° plus und hält sich im Durchschnitt der Wintermonate um 0°. Von sehr großer Bedeutung für den Bauer ist die Menge, der Charakter und die Zeit der Niederschläge. Da für Matzen keine besonderen Messungen und Zählungen vorgenommen wurden, führe ich nachfolgend die Ergebnisse der Bitburger Feststellungen an, die ja auch wegen des kleinen räumlichen Unterschiedes zutreffend sind:

Januar..................... 55,9 mm
Februar................... 45,1 mm
März........................ 52,6 mm
April........................ 53,3 mm
Mai.......................... 47,9 mm
Juni......................... 71,9 mm
Juli.......................... 76,1 mm
August.................... 77,7 mm
September............. 57,5 mm
Oktober.................. 93,3 mm
November.............. 39,2 mm
Dezember.............. 65,1 mm
----------------------------------------------
Insgesamt:........... 729,6 mm
=======================

Das ist eine ausreichende und auch ziemlich gut verteilte Niederschlagsmenge. Nicht gerne gesehen sind die hohen Niederschlagsmengen von Juni bis August, besonders wenn Sie in Form von Hagel oder schweren Gewitterregen niedergehen, wobei zumindest Lagerfrucht die unangenehme Folge ist.

Hagelschäden sind allerdings in Matzen sehr selten vorgekommen während meiner fast 40-jährigen Berichtszeit. Hat ein sehr eifriger Werber schon hier oder dort eine Versicherung gegen Hagelschaden abschließen können, so war das immer nur für die im Vertrage vereinbarte Zeit, und möglichst bald kündigte der Versicherte den Vertrag.

Meines Wissens war in den letzten Jahren kein Bauer in der Hagelversicherung. Während der vorhin angegebenen Zeit sind zwei Mal begrenzte Striche des Bannes – auf der Heide und auf dem Forst – durch Hagel in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Versicherung schätzte günstig für die wenigen Versicherer ab (wie gesagt wurde zur Werbung), aber genügt hat es nichts. Ob es weiterhin immer so gut abgeht ?

Das liegt zum Teil in der selbstherrischen Art des Matzener Bauern begründet, der von dem Standpunkt ausgeht: Trifft es mich, so bin ich stark genug, es zu tragen, es sollen nicht andere für mich zahlen, wie ich auch nicht für andere zahlen möchte.

Ein Beweis von Volks- oder Standesverbundenheit ist das ja nicht gerade. Oder mag es sein, dass der Matzener Bauer sich so sicher im Schutze seines Ortspatrons, des heiligen Donatus, glaubt, dem er wirklich große Verehrung zollt und sein Fest in der größten Arbeitszeit mitten in der Woche sehr feierlich begeht.

Inhaltsverzeichnis    

A.   Natürliche Gegebenheiten.             7  

1.     Geographische Lage.                                                          7  

2.     Geologischer Aufbau..                                                         8  

3.     Klimatische Verhältnisse.                                                    9  

B    Blut und Boden.                              11  

1.     Der Matzener Mensch..                                                      11  

2.     Die starken Wurzeln seiner Kraft                                      13  

3.     Die Auswertung..                                                                15  

4.     Flurnamen..                                                                         22  

C    Geschichte des Dorfes.                   24  

A.    Vorgeschichtliche Feststellungen..                                   24  

B.    Die Dorfgeschichte an Hand von Urkunden..                  24  

1.   698 – Ende des 18. Jahrhunderts.                       24  

2.   Das Dorf Ewene.                                                    28  

3.   Die alte Kapelle.                                                     29  

C.    Geschichte von Matzen von 1800 bis zur Gegenwart     30  

Die gestohlene Kriegskasse.                                      30  

Das erblindete Pferd..                                                  30  

Die Cholera 1866.                                                        32  

Brände.                                                                         33  

Freiwillige Feuerwehr.                                                  34  

Die Jahre von 1924 bis 1933.                                     38  

D    Matzen und der Nationalsozialismus 39  

E     Im Weltenbrand.                             41  

F     Dorfkultur und -gebräuche.             43  

Der Bauerngarten..                                                       45

C     Geschichte des Dorfes  

A.      Vorgeschichtliche Feststellungen 

1.    Auf der Höhe zwischen „Hohlen Stein“ und dem „Stock“ wurden bei Wegebau, Einebnungen der Felder und beim Ausheben von Rübenmieten Gräber gefunden, sogenannte Hockergräber, deren vier Seiten durch Steine abgestützt waren und eine große Deckplatte hatten. In den Gräbern fand man Scherben und Urnen. Weiter überdeckt waren sie mit einem großen Stein – oder Erdwall.  Zeugen dieser Funde sind Weimann Peter und Weinand Peter. Demnach stammen diese Gräber aus der jüngeren Steinzeit und lassen auf eine Siedlung an der Stelle schließen. Die reichliche Quelle Klampischborn ganz in der Nähe gab eine gute Vorbedingung zu einer Siedlung. Durch die Einebnung des Bodens, Beseitigung der Steine und jahrzehntelanger Beackerung sind leider alle örtlichen Anhaltspunkte vernichtet, so dass ein Weitersuchen kaum Aussicht auf Erfolg haben wird.    

2.    Quer durch den Flurteil im „Stock“, dann durch den Tannenberg hinab zur Kyll, die 200 m nördlich der Mühle in Erdorf überschritten wird, sich weiter ziehend durch den Bann Erdorf, mit Unterbrechungen zu verfolgen bis nach Herforst liegt ein Mauerfundament in der Erde von etwa 1 m Breite. Bei einer Rodung im Tannenberg 1938 wurde etwa 100 m Länge dieser Mauer ausgegraben. Sie hat die Bezeichnung „die Langmauer“. Ihr Zweck ?  - Vielleicht die Abgrenzung eines Pferde- oder Wildparkes. 

 

Die Dorfgeschichte an Hand von Urkunden

1.         698 – Ende des 18. Jahrhunderts

Der Beginn des heutigen Matzen ist unbekannt. Ob keltischen, ob römischen Ursprungs ist nicht erwiesen. Es wird erstmalig urkundlich am 01. November 698 p. Chr. genannt. Inhalt dieser Urkunde:

Die Äbtissin Irmina (Gründerin des Klosters Horreum in Trier, auch Irminenkloster genannt) schenkt dem Bischof Willibrord die Basilika in Echternach und beschenkt sie mit dem gesamten Erbgute und dessen Zugehörungen in Badalingum und Matulfovillare (Matzen) mit Ausnahme der durch sie freigelassenen, wie auch mit einem Weingute in monte Vienneasi (Vianden).

In einer ergänzenden Urkunde vom 01. Dezember 698 finden wir den Namen Matthulfingum, was aber nach dem Inhalt der Urkunde nur das vorhergenannte Matulfovillare sein kann. Nach dem Urteil maßgebender Geschichtsforscher und dem genealogischen Wörterbuch kann mit den beiden Bezeichnungen nur Matzen bei Bitburg gemeint sein.

Aus dem 9. Jahrhundert sind einige sehr wichtige Schenkungsurkunden vorhanden.

22. März 816  König Ludwig erteilt auf Verwenden des Erzbischofs Ratbod von Trier der Äbtissin Anastasia vom Kloster Horreum zu Trier, gleichwie in den Privilegien seiner Vorgänger Dagobert, Pippin und Karl, Bann und Frieden für sämtliche Besitzungen. Als solche werden in der Urkunde unter anderem benannt: Quodelonis villa (Dudeldorf), Macvilla (Matzen), Bedonis castellum (Bitburg).

832. Eine gewisse Ava schenkt dem Kloster Echternach, dem Erzbischof Hetti aus Trier als Abt vorsteht ihre Besitzungen im Bedgau (in pago Bedensi) in 5 Orten: nämlich im Dorfe und der Mark Macquila einen Herrenhof (casa dominicata) mit zugehörigen Ländereien und Wiesen, Weiden und Waldungen, ferner zwischen Macquila und Crispiniacum 4 mansis ledales und 1 mansus servilis mit Ländereien u. a. 3 Orte.

832. Die genannte Ava erhält von dem Erzbischof und Abte Hetti für ihre Lebenszeit zur Nutznießung das, was sie in voriger Urkunde dem Kloster Echternach in dem Ort Machonvillare im Bedgau geschenkt hatte. (De Lorenzi, Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier, bezeichnet Machonvillare identisch mit Macquila und Matzen).

In der Urkunde sind aufgeführt: 1 Herrenmansus und 3 Mansus mit Höfen und Wohnstätten, Ländereien, Wiesen, Weiden, Waldungen, Wassern, Wegen, Ein- und Ausgängen, 3 Hörigen mit 7 Kindern, Mobilien an Gold, Silber, Kleidern und Hausrat.

Baersch, Eiflia Illustrata 1852, bezeichnet in seinem Werk die hier angeführten Ortsbezeichnungen als Entwicklungsstufen zum Worte Matzen.

28. Oktober 895

Dem Kloster Echternach wird zum Unterhalt der 40 Mönche des Konvents der Besitz von mehreren Orten, u. a. Macquila, bestätigt.

22. August 953

König Otto I. bestätigt zu Mainz auf die Bitte seines Bruders, des Erzbischofs Brun, dem Nonnenkloster Horreum zu Trier, den Wiederbesitz mehrerer Besitzungen darunter auch der von Macvilla.

Der Verdacht, dass mit Macquila oder Macvilla Meckel gemeint sein könnte, ist nicht gut möglich, da Meckel stets in Urkunden Mekela genannt wurde und stets in Verbindungen mit anderen Orten genannt wurde.

Im 12. Jahrhundert wechselte die Lehenspflichtigkeit von Matzen vom Kloster Horreum bzw. Echternach nach der Abtei St. Maximin bei Trier. Eine entsprechende Urkunde über Zeit und Art dieses Wechsels konnte noch nicht ausfindig gemacht werden.

In einem 1220 angefertigten Güterverzeichnis der Abtei St. Maximin werden auch folgende Orte angeführt: Metriche (Metterich), Retersdorph, Hargarde, Marzena, Ewena.

In Matzen stand also ein Herrenhof (casa dominicata). Diese Herrenhöfe, die in den meisten Dörfern vorhanden waren, stellten in der Regel die Gründung der Siedlung vor. Ihre Besitzer, beziehungsweise Inhaber  befanden sich in sehr gehobenem Rang.

Damals kannte man keine Familiennamen wie heute, und  der Besitzer des Herrengutes bezeichnete sich als Sowieso von Matzen, von Irsch, von Erdorf, aber er war nur ein Bürgerlicher.

Die folgenden Urkunden zeigen diese Bezeichnungen:

15. Februar 1282
Theoderich, der Sohn des verstorbenen Müllers zu Erdorf und seine Ehefrau Jota, verkaufen ihre Rechte an der Mühle zu Erdorf unterhalb der Brücke an Herbrand von Mazzene und dessen Ehefrau Elisabeth und cedieren dieselben in die Hände der Äbtissin und des Konvents von St. Thomas. Zeugen, der Landdechant Johann und sieben Schöffen von Bideburch.

25. April 1283
Heinrich von Brugge verzichtet auf jede Ansprüche gegen die Abteil Hemmenrode wegen des Hofes Rodenbuchs und des Dorfes Lytge.
Zeugen: Cunrad von Wallenmollen und Herbrand von Matzine.

Im Jahre 1297 gründete Heinrich von der Pforten das Bitburger Hospital, in dem er sein Haus zur Verfügung stellte. Frater Petrus Becquartus Magister et cantor hospitalis verzeichnet:

1312
Mathilde, Tochter des Ritters Werner von Byttilde, welche zu Trier beim Hospital St. Elizabeth wohnt, schenkt dem Hospital zu Bitburg die von ihrem Vater herrührenden Ackerländereien zwischen Bitburg und Nattenheim, jedoch unter der Bedingung, dass das Hospital ihrer Nichte Mathilde von Matzen, Tochter ihrer Schwester Ygelande (Jolanthe), ein Haus bei dem Hospital zur Wohnung einräume und jährlich Lebensmittel lieferte.

Der Herrenhof von Matzen war also von St. Horreum zu Echternach und dann zu St. Maximin gekommen. So war er zum Freihof oder Lehenshof geworden. Der Abt des Klosters war Grund- oder Lehensherr. 1227 kam die Lehenspflichtigkeit zu St. Thomas, aber der Besitz blieb St. Maximin. Gleichzeitig wurden auch Rittersdorf und Ewene nach St. Thomas lehenspflichtig. (Baersch, Eiflia Illustrata).

10 April 1385
(Des neesten Maindages na dem Sonntage alz man singet in der heiligen kyrchen Quasi modo geniti) Johann, Herr zu der Veiltz und Konsorten verkaufen den Bürgern Johann und Peter …. ,natürlichen Söhnen, ihren Anteil an dem Dorfe Matzen bei Bitburg.

Der vorstehende Anteil ist ein Sonderlehen. Das genannte Huriell-Lehen, das die Herren Johann und Peter Hurriell von Bettingen im Jahre 1381 von dem Abte Rohrich von Ippelburen dem Kloster St. Maximin für 150 Pfd. Trierischer Währung abgekauft hatten. Also schon nach 4 Jahren verkauften sie ihren Anteil an Matzen schon wieder und zwar an Johann und Peter Merchelscheit, und diese gaben es weiter an das Hospital zu Bitburg.

1. Mai 1477 ( uff sent Walpurgen dach)
Der Lehensherr, der Vogt und die Kirche zu Matzen bekunden, dass Hermann von Matzen und Peter von der Eysche aus dem Schinkelerbe zu Matzen dem Hospital zu Bitburg 6 Gulden 9 albus schuldig sind.

1484.  Unter dem Abte Eldena verkaufte Maximin zu Trier das Lehen des Freihofes zu Matzen an Simon von Bitburg.

1496.  Durch Erbschaft geht das Lehen des Freihofes Matzen mit dem Hurriellerbe an den Ritter Dietrich von Enchringen auf Burg Rittersdorf über. Der Grundbesitz blieb bei St. Maximin zu Trier.

(Baersch Eiflia Illustrata)  Der Freihof zu Matzen ist im 16. Jahrhundert eingegangen. Dazu nachstehender Schiedsspruch:

Unter dem Abt Lampert von St. Maximin entstand wegen des Besitzes des Hofes zu Matzen zwischen Ludolff von Bitburg, Schöffen ebenda, und Peter, dem Sohne Hermanns, zu Matzen ein Streit. Der Abt ernannte zu Schiedsrichtern Johann von Schwarzenburg, Johann von Hunolstein und Cobin von Neuerburg. Diese sprachen jedem der Streitenden die Hälfte zu, was diese auch annahmen. Mit dieser Teilung hörte der Freihof auf. Abt Lampert lebte um 1550.

__________________

Es erhebt sich die Frage: Wo stand dieser Freihof in Matzen? Sind in heutigen Bauernhäusern noch Teile davon erhalten, oder ist er vollständig abgebrochen?

Keine der beiden Fragen ist mit Sicherheit zu beantworten.

Dem Alter der Häuser entsprechend kann eigentlich nur Sonnen oder Neimanns in Frage kommen. Die größere Wahrscheinlichkeit spricht für Sonnen, weil da auch die Kirche stand, die zum Freihof gehörte und sehr früh schon genannt wird. Da ein Türsturz bei dem Anbau von Sonnen 1840 verwandt wurde, der die Jahreszahl 1632 trägt, ist erwiesen, dass das Sonnenhaus sehr alt ist. Die ganze Bauart des alten Hausteiles zeigt in Anlagen, Treppe, Küche, Fenstern, Schornstein, dass es schon jahrhundertlang steht.

Der Name Sonnen ist schon 1500 nachgewiesen und fast nur in den Namen Peter und Johann ununterbrochen bis auf die Gegenwart zu verfolgen. Leider sind bei einem Brand 1870 mit den Ställen, Scheunen auch der Speicherboden des Hauses verbrannt, wobei ganze Kisten voll alter handgeschriebener Bücher und Urkunden vernichtet wurden.

Von 1600 bis 1800 sind nur wenige unwesentliche Urkunden aufzufinden. Das mag eine Folge der sehr unruhigen Zeit zu sein; denn es gab wohl kaum ein Jahrzehnt, das frei von kriegerischen Auseinandersetzungen gewesen ist.

Die Eifel, als Scheide zwischen Lotharingen und den Niederlanden wurde besonders stark in Mitleidenschaft gezogen. Besonders die Raubkriege Ludwig XIV., die Reichskämpfe um die Niederlande und Lothringens, der spanische Erbfolgekrieg und zuletzt die Revolutionskriege Napoleons I. ließen Land und Volk nicht zur Ruhe kommen.

Der 30jährige Krieg 1618-1648 hatte durch „Pest, Hunger und Krieg“ ganze Orte ausgelöscht, andere bis an den Rand des Aussterbens gebracht. Matzen hatte nur noch 3 Feuerstellen, Sonnen, Neumann, Stieren. Aus obigen Gründen geht der Aufstieg nur langsam vorwärts. Um 1700 werden aufgeführt: Sonnen, Neumann, Stieren, Boor, Schwall, Schleich, Thiesen.

2.      Das Dorf Ewene

Etwa 1 ½ km südlich von Matzen, in dem heutigen Flurtal „Unter Ewen“ lag das Dorf Ewene mit einer Wallfahrtskirche, die dem heiligen Clemens geweiht war. Matzener sagen heute noch auf „Clemantes“.
Ewene ist erstmalig 962 genannt.
Kaiser Otto I. gibt zu Rom die Abtei St. Maximin bei Trier seiner Gemahlin und den späteren Kaiserinnen und Königinnen als Dotation, bestimmt den Abt Willicher und dessen Nachfolger zu deren Kaplan, setzt die an die Kaiserin schuldigen Dienste fest und bestätigt zugleich der Abtei die Immunität und die zum Unterhalt der Mönche ausgesetzten Besitzungen. U. a. werden aufgeführt: Ebeno und Ratheresdorf.
30. November 1023. Kaiser Heinrich II. entbindet St. Maximin von besonderen Diensten, dabei wird auch Ebeno angeführt.
1220. In einem Güterverzeichnis der Abtei St. Maximin sind Mazena, Ewena und Retersdorph aufgeführt.
1227+1230. Ewene kommt von St. Maximin zu St. Thomas in Lehenspflicht. Mit ihm auch Rittersdorf und Matzen. Die Bestätigungsurkunde datiert vom 21. Mai 1230.
Es ist zu berichten, dass zur Zeit der Pest in den Jahren 1458 bis 1464 viele Bittgänge und Wallfahrten aus der ganzen Gegend zu der dem heiligen Clemens geweihten Kapelle in Ewene gemacht wurden.
Während des 30-jährigen Krieges ging Ewene unter. Pest und Krieg vernichteten damals mehrere Siedlungen um Bitburg (Bloheim, Efziche, Crispinacum). Die Kirche in Ewene blieb stehen. Sie wurde während der französischen Revolution zerstört. 1816-17 wurden die letzten Mauerreste abgebrochen.
Das Kreuz am Wege auf „Unter Ewen“ ist ein Mahnkreuz an der Stelle des Dorfes Ewene. Es stammt aus dem Jahre 1653 und wurde von dem Matzener Bürger Neumann errichtet.
Es hat folgende Aufschrift:
„Neumanns Klaus und seine Ehefrau Elisabeth
haben dieses Kreuz zur Ehre Gottes errichten lassen“.
Die einzigen Überreste von dem Dorfe Ewene sind die drei Heiligenfiguren, die sich an der Matzener Kirche und den Häusern Weimann-Lichter und Sonnen-Arnoldi befinden.

 

3.      Die alte Kapelle 

Die frühere Kapelle von Matzen stand auf dem Garten- und Wiesengrundstück von Sonnen zwischen den jetzigen Häusern Sonnen Nr. 2 und Debohse Nr. 4. Sie wurde bereits 1570 erwähnt und war dem heiligen Nicetius geweiht.

Die Pfarrkirche Rittersdorf berichtet am 5. Juli 1613 – Kapella Matzenn. Patron der hl. Nicetius. Ein Kelch, ein Casel, eine Wochenmesse, wofür der Pastor 4 Malter Gerste und 4 Malter Hafer hat. – Sie legen keine Rechnung und bauen die Kapelle nicht aus.

1712 / 1730 berichtet Rittersdorf:

Matzen. Patrone Albinus u. Donatus. Wochenmesse an beliebigen Tagen, 4 Malter Korn und 4 Malter Hafer. Auf Kirchweih und am vorhergehenden Sonntag, sowie am Sonntag vor den Bitttagen ist dort Messe. Die Kirche dort hat 10 Sester Korn und 8 Taler an Pensionen, dazu 1 Pfund Wachs, welches der Küster liefern muß. Die Einwohner kommen alle 4 Wochen zur Mutterkirche gemäß Transaktion und vom Ordinarius bestätigt. Sonst hielt der Pastor dort Kathechismus, wovon er 2 Malter Spelz hatte. Die Kapelle ist feucht, die Decke eingefallen und der Kirchhof ist offen.

Trotz der vorstehenden Mängel blieb die Kirche bis 1846 in Benutzung. Der daranliegende Kirchhof sogar noch etliche Jahre länger.

 

C.      Geschichte von Matzen von 1800 bis zur Gegenwart

Durch mündliche Überlieferung sind die Ereignisse aus der Franzosenzeit 1796-1815 noch in Erinnerung.

Matzen gehörte vorher landesmäßig zur Grafschaft Luxemburg. Die Grenze verlief im Norden etwa über Neuerburg, Bitburg, Dudeldorf. Kyllburg gehörte schon wieder zu Kurtrier. Napoleon machte aller Kleinstaaterei ein Ende. Burgen und Klöster wurden zerstört, die Güter als Staatseigentum erklärt, und die Südeifel mit dem Moseltale kamen zum Saar-Departement mit der Hauptstadt Trier. Heinrich Stieren, gezwungen für den Korsen zu kämpfen, ertrank auf der Flucht in der Donau.

 

Brände

Die ältesten noch lebenden Leute können sich noch mancher Feuersbrunst im Dorfe erinnern.

1872 brannten zwei der größten Bauernanwesen nieder.

1879 schlug der Blitz in die strohgedeckte Scheune von Epper. Wegen Mangel an sofortiger Abwehr und an Wasser brannten 9 Wohnhäuser und 12 Ökonomiegebäude ganz nieder.

1888 legte ein Großbrand eines der größten Bauernanwesen in Asche.

Es folgten dann in längeren Abschnitten einige kleinere Brände bis 1926 beginnend eine Brandserie von 5 Brandfällen folgte. Niemals konnte eine Brandursache ermittelt werden.

An dem Gemeinwohl dienenden Bauten wurden nach 1900 ausgeführt:

1910/11 Erweiterung der Dorfstraße und Kanalisierung im Hauptteil des Dorfes.

1921 wurde die Wasserleitung gebaut. Selten hat eine kleine Gemeinde so große Anstrengungen gemacht, die Wasserfrage zu lösen. Im Jahre 1912 versuchte eine Bohrgesellschaft aus Thüringen uns Wasser zu erbohren. Auf dem Hufberg im sogenannten Schulpfad bohrten sie über ein Jahr lang.

Der Vertrag schrieb vor, täglich 40 cbm zu liefern, das nicht höher als 100 m zu heben sei. Für jedes Tiefenmeter sollte die Bohrfirma 100 Reichsmark Bezahlung erhalten, also ein Höchstbetrag von 10.000 Reichsmark.

Die Firma bohrte bis 180 Meter Tiefe rund 80 Meter tiefer als das Kylltal, hatten aber keinen Erfolg. So mussten Sie ohne Erfolg und Bezahlung abbauen. Die Wasserfrage war nicht gelöst.

Nach dem Weltkriege war sie die erste große Aufgabe der Gemeinde. Da eine eigene Wasserversorgung nicht möglich schien, wurde ein Anschluss an das Städtische Wasserwerk Bitburg erbeten und von der Stadt auch genehmigt.

Zur Deckung der Kosten versteigerte die Gemeinde ihre drei letzten Parzellen Land für 47.000 Reichsmark. Der Gemeindewald lieferte weitere 100.000 Reichsmark. Eine Viertelmillion Restschuld wurde durch Anschlussgelder und Steuern aufgebracht.

Im Jahre 1925 verkaufte die Gemeinde das Wasserrecht von Klampischborn an die Gemeinde Erdorf, die dadurch zu einer billigen, ohne Pumpwerk tätigen Wasserleitung kam. Matzen verwandte die 5.000 Reichsmark, die die Erdorfer zahlten, zum Ausbau der Kustquelle als Zuschussleitung, um das Bitburger Wasser zu verbilligen. Zur Zeit ist dieses Wasser als Haushaltswasser von der Gesundheitspolizei gesperrt.

1923 fand eine allgemeine Elektrisierung des Kreises Bitburg statt. Das RWE kaufte die wenigen kleinen Kraftwerke auf, baute sie von Gleichstrom zu Drehstromerzeugung um, legte dann das Leitungsnetz durch den Kreis.

Bei dieser Gelegenheit wurde auch Matzen an das RWE angeschlossen. Schon beim Ausbau des Dorfnetzes wurden 20 Elektromotoren eingebaut; die Zahl ist jetzt bis über 30 gestiegen.

 

Freiwillige Feuerwehr

Nach Fertigstellung der Wasserleitung war die Möglichkeit gegeben, etwa auftretenden Bränden wirksam begegnen zu können. Die Leitung hat 9 Hydranten, die Feuerwehr ist im Besitz zweier Standrohre mit ausreichendem Schlauchmaterial und anderen Lösch- und Rettungsgeräten. Die Uniformierung der Wehr ist durchgeführt. Die alte, aber sehr brauchbare Feuerspritze ist beibehalten worden.

Der Weltkrieg 1914-18 brachte auch unserem Dorf tief einschneidende Maßnahmen. Die wehrfähige Jugend eilte begeistert zu den Waffen, die feste Hoffnung auf baldige siegreiche Heimkehr im Herzen. Die hochschwingende Begeisterung ging mit der längeren Dauer des Krieges in eine stille stumme Pflichterfüllung über, da jeder Kämpfer wusste, dass seine Heimat hier an der Westgrenze besonders gefährdet sei.

Und hat auch der Krieg das bekannte tragische Ende gefunden; es war aber gelungen, die Heimat vor den Schrecken des Krieges zu bewahren, und das Reich blieb bestehen. 66 Kämpfer sind ausgezogen und standen ihren Mann an der befohlenen Stelle.

15 von ihnen starben den Heldentod, 4 gerieten in Gefangenschaft und mehrere waren verwundet. Die Opfer des kleinen Dorfes waren also sehr hoch.

Zum Arbeitseinsatz kamen russische Kriegsgefangene, mit denen die Leute allgemein sehr zufrieden waren. Gegen Ende des Krieges schalteten und walteten manche Russen so selbständig, als wären sie die Eigentümer der Betriebe. Man konnte wirklich Vertrauen zu den meisten haben. Was hat doch der Bolschewismus in knapp 25 Jahren aus der russischen Volksseele gemacht.

 

 

Handskizze der Daten des Kriegerdenkmals in Matzen

Vorstehende Gedenktafel ließ die Gemeinde in der Kapelle anbringen. Die 15 in Marmor gemeißelten Namen sollen auch in unseren Herzen unvergesslich sein, und der Nachwelt künden, dass 15 Männer des Dorfes das Leben gaben für Heimat, Reich und Ehre.

Die traurige Nachfolgezeit der Besatzung, Inflation, Scheinblüte und deren Reaktion, sich zeigend in Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichem Zusammenbruch vieler Betriebe, war so allgemein, dass kein Ort herausgestellt zu werden braucht.

Die Waffenstillstandsbedingungen forderten, dass das deutsche Heer im Zeitraum von 14 Tagen das besetzte feindliche Gebiet und das ganze linke Rheinufer zu räumen hatte. Bei dem nun folgenden überhasteten Rückmarsch unserer Millionenheere waren sehr starke Einquartierungen unvermeidlich.

Als am letzten Tage unsere Nachhuten und eine Feldbäckerei den Ort verlassen hatten, rückte sofort ein amerikanisches Infanterieregiment in Stärke von 3000 Mann ein.

Dass sie als Sieger sich anmaßend benahmen, nahm niemand Wunder, aber, dass sie sich wie rüpelhafte Gassenjungen benahmen, ganz besonders die jungen Offiziere und absolut kein soldatisches Benehmen zeigten, fiel allen Leuten auf. In meiner Wohnstube war das Regimentsgeschäftszimmer.

Während der ganzen Nacht war ein dauerndes Gehen und Kommen, Melden und Befehlen. Deshalb musste ich beim Ofen sitzen bleiben und das Feuer besorgen.

Als Herr Major Ross eine gerade angebrannte Zigarette zum Ofen warf, weil er telefonierte, wollte ich diese nehmen und aufgelöst in der Pfeife rauchen, natürlich erst später, sprang ein junger Offizier heran, riss mir die Zigarette fort mit der Bemerkung: „Deutsches Schwein raucht keine amerikanische Zigarette!“ Bei uns gab es bekanntlich in jenen Wochen überhaupt kein Rauchmaterial.

Am frühen Morgen rückte das Regiment in Richtung Rhein unseren Truppen nach. Am folgenden Tage kamen zwei Kompanien Franzosen. Obwohl sie nur zwei Tage blieben, genügte schon diese kurze Zeit, um einige Matzener von ihrer Franzosenfreundlichkeit zu heilen.

Sie hatten gehofft, in den Franzosen Freunde des rheinischen Volkes zu finden. Die Art und Weise, wie die Franzosen Quartier machten und sich dort benahmen, auch gelegentlich Jagd auf Hühner und Hähnchen machten, rief sie in die raue Wirklichkeit zurück.

Nun zogen auch die Franzosen ab nach dem Rhein, und es folgte die eigentliche Besatzung:

Für Matzen ein Zug (etwa 60 Mann) Amerikaner. Sie blieben 4 Monate im Dorfe.

Alle Häuser wurden nach Waffen durchsucht, auch Jagdwaffen wurden weggenommen, wohl weniger aus Furcht für die Sicherheit der Besatzungstruppen, viel mehr wollten sie die Jagd allein ausüben, was dann auch so gründlich geschah, dass nach kurzer Zeit der gute Wildbestand vollständig abgeschossen war.

Dem Fischbestand in der Kyll setzten sie besonders hart zu. Mit Handgranaten und geballten Ladungen vernichteten Sie alles Leben in dem Wasser, obwohl sie nur einen verschwindend kleinen Teil der getöteten Fische bekommen konnten. Jagd und Fischerei mussten später durch neuen Einsatz und jahrelange Schonung aufgeholfen werden.

Sie selbst hatten weder Ordnung noch Sauberkeit, verlangten aber, dass die Straßen jeden Morgen gefegt und alle Dungstätten stets mit grünem Fichtenreisig belegt wurden. Zusammenstöße größeren Ausmaßes kamen nicht vor.

Die Amerikaner wurden von den Franzosen abgelöst, die aber in die kleinen Landorte wie Matzen keine ständige Besatzung hinlegten, diese vielmehr durch gelegentliche Streifen von Soldaten oder Gendarmen kontrollierten. Natürlich musste jeder über 14 Jahre seinen Personalausweis und bei größeren Reisen seine Reiseerlaubnis mit sich führen.

Immerhin kann dem französischen Kreisdelegierten für Bitburg, Kapitän Croissandean Mäßigung nachgerühmt werden. Schlimmer wurde die Lage als nach dem Ruhreinmarsch der Franzosen und Belgier am 11.1.1923 der passive Widerstand erklärt wurde, die Franzosen die Eisenbahn in Regie nahmen und verlangten, dass deutsche Beamte für sie Dienste tun mussten.

Das unsaubere, meist ortsfremde Gesindel der Separatisten wurde begünstigt und mancher aufrechte Deutsche wurde seiner Heimat verwiesen. Dazu kam der rasende Fortschritt der Inflation.

Das Reich war wieder in höchster Gefahr. In dieser Not bewährte sich die deutsche Treue. Kein aufrechter Mann benutzte die Eisenbahn, auch nicht zum Güterbezug, der Bauer ging zu Fuß nach Prüm oder Trier zum Markte. Zu Fuß wurde bis an die Mosel und an den Rhein gewandert.

Die lebensnotwendigsten Güter wurden mit Lastwagen und Fuhrwerken befördert, und die wenigen Regiezüge liefen leer. Dazu kam der rheinische Volkssturm gegen die Separatisten. Da sah der Franzose ein, dass das Volk am Rhein, an der Mosel, in der Pfalz, der Eifel und des Hunsrückes deutsches Volks ist und deutsch bleiben werde, trotz der Armut und Ohnmacht des Reiches. Der Druck ließ nach, und die Zeit gestaltete sich ruhiger.

Die Jahre von 1924 bis 1933 Als am 1. November 1923 eine Billion Mark gleich einer Rentenmark erklärt wurde, merkte man erst, wie arm wir waren. Trotzdem konnten sich nicht alle schnell genug an die kleinen Zahlen der Wirklichkeit gewöhnen und legten den Grund zu ihrer Verschuldung.

Die Zinsen waren untragbar hoch: 24 Prozent – 18 Prozent – 12 Prozent – 8 Prozent ; Zinssätze, die zu dieser Abstufung Jahre brauchten, sind für Landwirte untragbar. Dazu kam, dass durch die Verschuldung von Reich, Staat und Selbstverwaltungskörperschaften die Steuerlast immer mehr anstieg.

Die sozialen Lasten stiegen und die Kaufkraft des Volkes sank. Die Erzeugnisse des Bauern deckten kaum die Gestehungskosten, warfen aber nicht mehr eine Rente ab. Die Stände gerieten in unberechtigten Streit gegeneinander.

Die zahlreichen politischen Parteien förderten den Klassenkampf und anstatt zu bessern, verwirrten sie noch mehr. Zwecks Stimmfang versprachen sie, was gar nicht zu leisten in ihrer Macht lag.

In Matzen waren die zahllosen Wahlen jener Zeit immer Kampfzeiten erster Ordnung. Wurden doch manchmal für die Wahl von 6 Gemeinderäten 5 bis 6 Wahlvorschläge eingereicht bei rund 200 Stimmberechtigten. Durchweg gab es eine 100prozentige Wahlbeteiligung, und mancher Wahlvorschlag erhielt auch nicht ein Mandat.

Der Spott der anderen steigerte natürlich den Ärger über die Niederlagen und den Ärger über die vor der Wahl als sicher geglaubten Anhänger. Tragisch war das nicht zu nehmen, es brachte etwas Leben und Abwechslung in das Dorfleben – und bald ist ja wieder eine Wahl.

Die große Arbeitslosigkeit jener Jahre wirkte sich auf dem Bauerndorfe nicht wesentlich aus, wenn man davon absieht, dass der zahlungsfähige Käufer fehlte. 

 

Peter Epper entzog sich der Einstellung durch die Flucht in die großen Kyllwälder. Nachts suchte er bei Verwandten und Bekannten die notwendigen Lebensmittel. 12 Taler Kopfgeld waren auf ihn gesetzt. Stets ist er den Häschern entwischt. So irrte er 3 Monate lang gehetzt und verfolgt umher. Mit dem Ende der Franzosenzeit kam auch seine Freiheit.

Ein Johann Boor kämpfte für die Franzosen in Spanien.

Die gestohlene Kriegskasse
Ein französischer Truppenverband hatte seine Kasse in der Scheune von Stieren untergebracht und durch Doppelposten am Scheunentor gesichert. Trotzdem war eines Morgens die Kiste mit der Kasse verschwunden. Sofort wurden Geiseln festgenommen, und die Drohung, diese nach 24 Stunden zu erschießen, wenn das Geld nicht zur Stelle sei, wäre wohl auch ausgeführt worden.

Die Diebe waren nicht zu ermitteln, vielleicht waren es sogar Soldaten, aber die Gemeinde musste haften. In Matzen war soviel Geld nicht aufzutreiben. Deshalb wurde die erforderliche Summe in Irsch geliehen und später durch ein schönes Stück Gemeindeland abgegolten. Der Flurteil heißt: „Im Matzener Feldchen“.

Das erblindete Pferd
Nicht nur Soldaten mussten gestellt werden, sondern alles, was ein Heer haben muss: Verpflegung für Mann und Pferd, Brennmaterial, Fuhrwerke mit Bespannung und Fuhrleuten, und ganz besonders Pferde. Der Bauer Epper hatte von seinem schönen Bestande nur noch ein zu junges Pferd behalten.

In der Furcht, es könnte ihm auch noch genommen werden, mauerte er es im Stall ein und fütterte und tränkte es durch eine Luke vom Heuboden her. Als er es an einem voraussichtlich sicheren Tage aus seinem Versteck herausführte, war das Tier erblindet. Zudem wurde er von einer französischen Gendarmeriestreife erwischt und bestraft.

Seit der Bildung der Rheinprovinz ist Matzen eine politische Gemeinde in der Bürgermeisterei Rittersdorf (jetzt Amt Bitburg-Land) im Kreise Bitburg, Regierungsbezirk Trier. Nach Aufhebung der Leibeigenschaft und Befreiung von Zins und Zehnten nahm der Wohlstand und auch die Zahl der Famlien rasch zu. 1850 wurden 35 Familien mit 268 Einwohnern gezählt. Spätere Zählungen vermerken:

1.12.1905      -           319 Einwohner
1.12.1910      -           339 Einwohner
1919               -           342 Einwohner
1929               -           320 Einwohner

Die Zahl der Einwohner schwankt jetzt um 320, hat also den Stand wie vor 40 Jahren. Die Abwanderung zur Industrie und anderen Berufen als Landwirtschaft hat zugenommen. Seit 1900 wurden nur 5 Neubauten errichtet; davon 3 als Bauernhof. Der Bann ist eben ganz in Benutzung, und eine Vermehrung der Betriebe müsste notwendigerweise eine Verkleinerung der bestehenden zur Folge haben. In den Notzeiten des vorigen Jahrhunderts wanderten auch aus Matzen mehrere junge Leute und die beiden Familien Barthels und Schleich aus. Über ihr Schicksal in Amerika konnte ich nichts in Erfahrung bringen.

In kirchlicher Hinsicht war Matzen immer Filiale, und zwar von St. Maximin in Bitburg. Diese Pfarrkirche stand weit im Süden vor der Stadt, wo die Echternacher Straße abzweigt. Auch Rittersdorf und Ebeno waren Filialen von dort. Im 13. Jahrhundert wurde Rittersdorf selbst Pfarrei, und Ebeno und Matzen wurden Filialen von Rittersdorf. Die Verbindung mit der Pfarrei Rittersdorf scheint aber immer ziemlich locker gewesen zu sein, besonders, als in Bitburg anstelle von St. Maximin St. Johann und später -Unserer Lieben Frau- entstand. St. Johann war eine Kirche am Hospital.

Der Weg dorthin war nur halb so weit wie nach Rittersdorf. Außerdem waren die geschäftlichen und persönlichen Bindungen nach Bitburg ungleich stärker. Im Jahre  ___  wurde dem dann auch Rechnung getragen, und Matzen wurde Filiale von Bitburg – Unserer l. Frau.

Bitburg hat auch heute noch zwei. Pfarreien, wenn auch nur eine Kirche. Die Süd-Nord-Straße Trier-Köln trennt beide Pfarreien. St. Peter liegt östlich der Straße und hat als Filialen Mötsch und Masholder. Unserer Lieben Frau liegt westlich, und Matzen, Stahl und Irsch sind Filialen.

1846-48 wurde die heutige Filialkirche erbaut. Sie stellt einen schmucken Bau im spätgotischen Stil dar. Sie wurde wie ihre Vorgängerin dem hl. Donatus geweiht. Die Filialgemeinde ist in lobenswerter Weise stets bemüht gewesen, ihre Ortskirche in einem würdigen Zustand zu erhalten und auszustatten. Der Kirchenneubau hatte die Gemeinde und den Gemeindewald so sehr belastet, dass 400 Prozent Gemeindeumlagen erhoben werden mussten.

Bei der sehr hohen Bewertung des Bodens war der festgelegte Satz der staatlichen Grundvermögenssteuer mehr als doppelt so hoch wie in manchen anderen Orten; so dass obige 400 Prozent eine gewaltige Belastung darstellten.

Ein Schulneubau aber war noch nötiger als der Kapellenbau gewesen war. Das alte, einstöckige, strohgedeckte Häuschen war eingefallen. 1860/61 entstand dann der jetzt stehende Schulbau. Die Unlust, zu bauen, sieht man dem Hause deutlich an.

Der Schulsaal in seiner Geräumigkeit (6 m x 9 m) ist das einzig befriedigende. Die Lage des Hauses im Verkehr, im Abhang und ohne freies Gelände, der größte von den vielen Mängeln.

Anderenfalls könnte es nicht möglich sein, dass jetzt , nach 80 Jahren die dringendste Aufgabe des Schulverbandes Matzen-Irsch ein Schulhausneubau sein müsste.

 

Die Cholera 1866

Als unsere Krieger in Böhmen und am Main kämpften, zog die Cholera als Würger durch Deutschland. Im September 66 erreichte sie plötzlich Bitburg. Auch in Matzen trat sie ganz furchtbar auf.

In 11 Tagen starben 19 Erwachsene, davon acht aus der Familie Sonnen. Ein Sohn des Hauses überstand die Krankheit, er wurde der Erbauer des Sonnenhofes. Ein zweiter Sohn war im Kriege.

Auf seiner Heimreise vernahm er in Wittlich und bei seiner Schwester in Dudeldorf von dem furchtbaren Schicksal seiner Familie. Als er zu Hause ankam, fand er Haus und Ställe offen stehen. Acht Angehörige waren schon beerdigt, und der Bruder lag noch krank zu Bett, hatte die Krisis aber überstanden. Nachstehend ein Ausschnitt aus dem Totenzettel:

Unsere Großmutter Katharina Lehnen am
19. September im 83. Lebensjahre
Unser Großoheim Thomas Sonnen am
23. September im 74. Lebensjahre
Unsere Schwester Katharina Sonnen am
21. September im 22. Lebensjahre
Unser Bruder Peter Sonnen d. Ä. am
24. September im 26. Lebensjahre
Unser Bruder Jakob Sonnen am
24. September im 19. Lebensjahre
Unser Bruder Peter Sonnen d. J. am
25. September im 11. Lebensjahre
Unsere liebe Mutter Susanna Jakobs am
24. September im 55. Lebensjahre
Unser lieber Vater Peter Sonnen am
28. September im 55. Lebensjahre

Bänne Matzen und Irsch, Skizze 1:20.000, handcoloriert